Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine häufige Schlafstörung, bei der es im Schlaf wiederholt zu Atemaussetzern kommt. Ursache ist ein vorübergehendes Zusammenfallen (Kollabieren) der oberen Atemwege, meist im Bereich des weichen Gaumens oder der Zunge. Dadurch wird die Atmung blockiert oder stark eingeschränkt. Typische Anzeichen sind lautes Schnarchen, unruhiger Schlaf und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.
OSA ist nicht nur lästig, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung: Unbehandelt erhöht sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und kann die Lebenserwartung verkürzen. Studien zeigen, dass das Risiko für schwere oder tödliche Herzinfarkte oder Schlaganfälle etwa zwei- bis dreimal höher ist als bei gesunden Menschen.
Schätzungen zufolge sind etwa 2-4 % der erwachsenen Bevölkerung betroffen. Die tatsächliche Zahl dürfte höher sein, da viele Fälle nicht erkannt werden.
Das Risiko steigt mit bestimmten Faktoren deutlich an. Dazu zählen vor allem Übergewicht (Adipositas), höheres Lebensalter, männliches Geschlecht sowie der Konsum von Alkohol oder beruhigenden Medikamenten am Abend. Auch anatomische Besonderheiten wie enge Atemwege, vergrößerte Mandeln oder ein zurückliegender Unterkiefer können eine Rolle spielen.
Viele Betroffene bemerken die Erkrankung selbst nicht. Häufig fällt sie zuerst Partner:innen durch lautes Schnarchen und beobachtete Atempausen auf.
Die Symptome entstehen vor allem durch die gestörte Schlafqualität und den wiederholten Sauerstoffmangel während der Nacht. Besonders typisch ist eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit, die die Leistungsfähigkeit deutlich einschränken kann.
Häufige Beschwerden sind:
lautes, unregelmäßiges Schnarchen
beobachtete Atemaussetzer im Schlaf
Tagesmüdigkeit und Einschlafneigung
Konzentrationsprobleme
morgendliche Kopfschmerzen
Die erhöhte Einschlafneigung kann im Alltag gefährlich werden. Das Risiko für Unfälle, insbesondere im Straßenverkehr, ist deutlich erhöht. Bei ausgeprägter Müdigkeit kann das Lenken eines Fahrzeugs eingeschränkt sein.
Während der Atemaussetzer sinkt der Sauerstoffgehalt im Blut. Gleichzeitig kommt es zu wiederholten Weckreaktionen, die mit einer Aktivierung des Nervensystems und der Ausschüttung von Stresshormonen verbunden sind.
Diese Belastung wirkt sich langfristig auf den gesamten Körper aus. Besonders betroffen ist das Herz-Kreislauf-System. Häufige Folgeerkrankungen sind:
Bluthochdruck (arterielle Hypertonie)
Schlaganfall
Durchblutungsstörungen des Herzens (koronare Herzkrankheit)
Herzrhythmusstörungen
Darüber hinaus steigt das Risiko für Typ-2-Diabetes, Depressionen und kognitive Einschränkungen wie Gedächtnisprobleme. Insgesamt ist das Sterberisiko bei unbehandelter OSA deutlich erhöht.
Der erste Schritt ist das Erkennen typischer Symptome. Hinweise wie Schnarchen, Atemaussetzer und Tagesmüdigkeit sollten immer ärztlich abgeklärt werden – meist über Ihre:n Hausärzt:in.
Zur weiteren Untersuchung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Beim ambulanten Schlaf-Screening werden zu Hause während des Schlafs Parameter wie Atmung, Sauerstoffsättigung und Herzfrequenz aufgezeichnet.
Eine umfassendere Untersuchung kann im Schlaflabor erfolgen. Dabei werden zusätzlich die Hirnströme gemessen, um die Schlafphasen genau zu analysieren.
Ein wichtiger Kennwert ist der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Er gibt an, wie viele Atemaussetzer pro Stunde auftreten:
unter 5: normal
5-15: leichte OSA
15-30: mittelgradige OSA
über 30: schwere OSA
Für die Therapieentscheidung sind jedoch nicht nur diese Werte entscheidend, sondern auch Beschwerden und Begleiterkrankungen.
Zusätzlich kann eine Untersuchung im Hals-Nasen-Ohren-Bereich (HNO) helfen, Engstellen in den Atemwegen zu erkennen.
In komplexen Fällen kann eine weiterführende Diagnostik sinnvoll sein. Dazu zählt die sogenannte medikamentös induzierte Schlafendoskopie (DISE). Dabei werden die Atemwege unter leichter Sedierung untersucht, um den genauen Ort der Verengung zu bestimmen.
Diese Untersuchung wird in spezialisierten Zentren durchgeführt und kommt vor allem vor geplanten Operationen zum Einsatz.
Eine ärztliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn folgende Warnzeichen auftreten:
lautes Schnarchen mit beobachteten Atemaussetzern
starke Tagesmüdigkeit oder Einschlafen in Alltagssituationen
Konzentrationsprobleme oder Leistungseinbruch
Bluthochdruck, der schwer einstellbar ist
neu aufgetretene Herzrhythmusstörungen
Auch bei bestehenden Erkrankungen wie Diabetes oder Depressionen sollte an eine mögliche Schlafapnoe gedacht werden.
Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können Folgeschäden verhindern und die Lebensqualität deutlich verbessern.
Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Ursachen. Ziel ist es, die Atemwege während des Schlafs offen zu halten und die Beschwerden zu lindern.
Die wirksamste Standardbehandlung bei mittelgradiger bis schwerer OSA ist die CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure). Dabei wird über eine Maske ein leichter Überdruck erzeugt, der die Atemwege offen hält. Bei regelmäßiger Anwendung kann diese Therapie die Symptome deutlich verbessern und Folgeerkrankungen verhindern.
Bei leichteren Formen kommen auch andere Maßnahmen infrage. Dazu zählen Lagerungshilfen, die das Schlafen in Rückenlage vermeiden, oder sogenannte Protrusionsschienen. Diese Zahnschienen verlagern den Unterkiefer nach vorne und verhindern so das Zurückfallen der Zunge.
In bestimmten Fällen können operative Eingriffe sinnvoll sein, etwa zur Verkleinerung vergrößerter Mandeln oder zur Straffung des weichen Gaumens. Eine neuere Therapieoption ist die elektrische Stimulation der Zungenmuskulatur über ein implantiertes System (Zungenschrittmacher), das die Atemwege im Schlaf stabilisiert.
Lebensstilmaßnahmen spielen eine wichtige Rolle und können den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen. Besonders wirksam ist eine Gewichtsreduktion bei Übergewicht. Schon eine Abnahme von 5-10 % des Körpergewichts kann die Anzahl der Atemaussetzer deutlich reduzieren.
Auch der Verzicht auf Alkohol am Abend sowie das Vermeiden schwerer Mahlzeiten vor dem Schlafengehen können helfen.
Diese Maßnahmen ersetzen jedoch bei ausgeprägter OSA keine medizinische Therapie, sondern ergänzen sie sinnvoll.
Nicht alle Patient:innen vertragen die CPAP-Therapie gleich gut. In solchen Fällen können alternative Behandlungen geprüft werden. Dazu zählen Protrusionsschienen oder – bei geeigneter Anatomie – operative Verfahren. Welche Option infrage kommt, sollte individuell in einer spezialisierten Einrichtung abgeklärt werden.
Mit zunehmendem Alter tritt Schlafapnoe häufiger auf. Beschwerden wie Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme werden jedoch oft fälschlicherweise dem Alter zugeschrieben.
Auch im höheren Lebensalter lohnt sich eine Behandlung: Sie kann die Lebensqualität verbessern und das Risiko für Stürze, Unfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich senken.
Übergewicht ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Schlafapnoe. Fettgewebe im Halsbereich kann die Atemwege zusätzlich einengen.
Eine Gewichtsreduktion kann daher nicht nur die Beschwerden verbessern, sondern auch die Wirksamkeit anderer Therapien erhöhen. Dennoch können auch normalgewichtige Menschen betroffen sein.