Die Wechseljahre (Klimakterium) sind die Phase, in der die Eierstöcke nach und nach ihre Funktion reduzieren und die Monatsblutung ausbleibt. Dafür sinken die Hormone Östrogen und Progesteron deutlich ab. Viele Frauen bemerken zuerst unregelmäßige Perioden, dann hören diese schließlich ganz auf. Als Menopause gilt der Zeitpunkt, an dem die Periode ein Jahr lang ausblieb.
Das Beschwerdebild ist für jede Frau anders, viele erleben:
Hitzewallungen und Nachtschweiß: plötzlich einsetzendes Hitzegefühl, gerötetes Gesicht, erhöhte Schweißproduktion, auch nachts
Schlafstörungen: häufiges Aufwachen, keine Erholung, tagsüber Erschöpfung
Vaginale Beschwerden: vaginale Trockenheit, Juckreiz, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Beschwerden beim Wasserlassen oder häufige Blasenentzündungen
Stimmungsschwankungen: Niedergeschlagenheit, Reizbarkeit, Angstgefühle oder innere Unruhe
Verminderte Libido: viele Frauen berichten von Libidoverlust oder Unsicherheit in der Partnerschaft
Durch den Rückgang der Hormone verändern sich viele Körperfunktionen, wie:
Die Blutgefäße werden weniger elastisch.
Die Knochen verlieren mit der Zeit an Dichte und werden brüchiger.
Der Stoffwechsel verändert sich, sodass es leichter wird, Gewicht zuzunehmen.
Das heißt, die Wechseljahre sind nicht nur eine Zeit von Hitzewallungen und schlaflosen Nächten, sondern auch eine wichtige Zeit, in der man Krankheiten wie Herzinfarkt, Osteoporose und Diabetes vorbeugen sollte.
Nach der Menopause steigt das Risiko für bestimmte Erkrankungen deutlich:
Knochenschwund (Osteoporose): Ohne den schützenden Effekt der Östrogene kann Knochenmasse schneller verloren gehen. Das erhöht das Risiko für Knochenbrüche, besonders an Hüfte, Wirbeln und Unterarm.
Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen: Herzinfarkt und Schlaganfall treten bei Frauen nach den Wechseljahren deutlich häufiger auf.
Stoffwechselerkrankungen: Diabetes und das sogenannte metabolische Syndrom (mit erhöhtem Bauchfett, Blutdruck, Blutzucker) werden häufiger.
Die gute Nachricht: Viele dieser Risiken lassen sich mit einfachen, aber konsequenten Maßnahmen deutlich reduzieren.
Hormonersatztherapie (HRT): Für viele Frauen ist die HRT der wirksamste Weg, Hitzewallungen und andere Beschwerden zu lindern. Sie wird heute vor allem dazu eingesetzt, Beschwerden zu behandeln und nicht, um Herzkrankheiten vorzubeugen.
Lebensstil: Essen, Bewegung, Schlaf und Stressbewältigung sind zentrale Bausteine
Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, pflanzlichen Fetten und ausreichend Eiweiß hilft Herz, Knochen und Gewicht.
Zucker, stark verarbeitete Lebensmittel (Fertigprodukte) und viele raffinierte Kohlenhydrate sollten reduziert werden.
Eine Kombination aus regelmäßigem Krafttraining und Ausdauertraining stärkt Muskeln und Knochen, verbessern die Körperhaltung, senken das Sturzrisiko und stabilisieren Gewicht und Blutzucker.
Feste Schlafzeiten, weniger Bildschirmzeit abends und Entspannungstechniken (z.B. Achtsamkeit, Atemübungen) unterstützen die Erholung und helfen gegen Stresshormone wie Cortisol.
Psyche und Sexualität: bei Belastungen wie Stimmungsschwankungen, Angst oder Niedergeschlagenheit kann eine kognitive Verhaltenstherapie oder eine psychologische Beratung helfen. Bei Problemen mit dem Sexualleben oder dem/der Partner:in können psychosexuelle Gespräche oder Sexualtherapie sinnvoll sein.
Viele Frauen nutzen auch pflanzliche Mittel, um Beschwerden zu lindern. Sie gelten heute nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zur ärztlichen Beratung und kommen vor allem dann zum Einsatz, wenn eine Hormontherapie nicht gewünscht oder kontraindiziert ist.
Phytotherapeutika im Überblick
Traubensilberkerze: Gut erforscht, wirkt meist nach 4-8 Wochen.
Rhapontik‑Rhabarber: Besonders bei leichten bis mittelschweren Beschwerden geeignet.
Isoflavone (aus Soja oder Rotklee): Pflanzliche „Östrogene„ (Phytoöstrogene) mit schwächerer Wirkung als eine Hormontherapie.
Johanniskraut: Besonders bei Frauen mit Brustkrebshistorie empfohlen, hat auch stimmungsaufhellende Eigenschaften.
Baldrianwurzel: Beruhigend und schlaffördernd.
Rhapontik‑Rhabarber: Auch bei Schlafproblemen wirksam.
Melatonin: Hilft, den Schlaf‑Wach‑Rhythmus zu stabilisieren.
Cranberry: Kann prophylaktisch eingesetzt werden.
D‑Mannose: Vermindert die Anheftung von Bakterien an die Blasenwand.
Arbutin: Hat eine antiseptische Wirkung.
Individuelle Abwägung: Was für die eine Frau gut passt, ist für die andere vielleicht ungeeignet. Alter, Risikofaktoren, Vorerkrankungen, Medikamente und persönliche Präferenzen müssen immer mitbedacht werden.
Fachberatung: Eine vertrauensvolle Beratung an der Apotheke oder beim/bei der Ärzt:in kann helfen, die passende Kombination aus Lebensstil, Medikamenten und ggf. Hormontherapie zu finden.
Keine vorschnelle Selbstmedikation: Auch pflanzliche Mittel können Nebenwirkungen haben oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Eine fachkundige Beratung ist wichtig.